Gewinner True Story Award 2026

Die Gewinner des True Story Award 2026 wurden am Freitagabend in Bern bekannt gegeben. Stadtpräsidentin Marieke Kruit eröffnete die Preisverleihung vor über 350 Gästen, darunter die 30 der 36 nominierten Reporterinnen und Reporter. Anschliessend sprach die deutsch-iranische Journalistin und Nahost-Expertin Natalie Amiri über die aktuelle Lage in Iran. Der Höhepunkt des Abends war die Bekanntgabe der drei Gewinner in den Kategorien «Research», «Impact» und «Storytelling» durch die Hauptjury.

Die Gewinnerinnen des True Story Award in der Kategorie «Recherche» sind Hoda Osman und Emma Graham-Harrison für ihren bei Arab Reporters for Investigative Journalism und im Guardian erschienenen Text The Gaza Family Torn apart by IDF Snipers from Chicago and Munich. Die Jury erklärte in ihrer Laudatio: «Es gibt Geschichten auf dieser Welt, über die nicht nur schwer zu berichten ist, sondern die auch gefährlich sind. Dieser Preis geht an eine solche Geschichte, die in forensischer, erschreckender Detailgenauigkeit aufzeigt, wie eine Gruppe von Männern in den Trümmern Palästinas darüber entscheidet, wer lebt und wer stirbt. Der Text ist ein bewegendes, rigoroses und akribisch ausgearbeitetes Beispiel für journalistische Teamarbeit. Dieser Beitrag verkörpert einige der höchsten Ideale des Journalismus – Ungerechtigkeit zu dokumentieren und denen eine Stimme zu geben, deren Leid allzu oft ausgeblendet wird. Herzlichen Glückwunsch an Hoda Osman und Emma Graham Harrison.»

Der Gewinner des True Story Award in der Kategorie «Impact» ist Sameh al-Laboudi für The Kalamata Trap: Hundreds of Migrant drown on their way to Europe, erschienen in Al-Manassa. Die Begründung der Jury: «15 Minuten. So lange dauerte es, bis ein Boot mit 750 Migranten an Bord im Juni 2023 im Mittelmeer sank – die schlimmste Schiffskatastrophe in der jüngeren griechischen Geschichte. Doch damit waren die Folgen noch nicht zu Ende, denn neun ägyptische Überlebende wurden inhaftiert und fälschlicherweise der strafrechtlichen Verantwortung für die Katastrophe beschuldigt. Als ein Jahr später endlich Gerechtigkeit herrschte, brauchte das Gericht nur 15 Minuten, um sie freizusprechen. Indem es Licht auf eine menschliche Tragödie wirft, die in der heutigen Welt nur allzu alltäglich geworden ist, ist The Kalamata Trap ein Beispiel für investigativen Journalismus vom Feinsten.»

Der Gewinner des True Story Award in der Kategorie «Storytelling» ist Martín Caparrós für seine Reportage ALS: The Sentence, die in El País veröffentlicht wurde. Aus der Laudatio der Jury: «Als Journalisten plädieren wir oft dafür, eine Distanz zwischen Autor und Thema zu wahren, doch es gibt Momente, in denen eine Verringerung dieser Distanz neue Einblicke ermöglicht. Wenn es bei dem Thema um die eigene unheilbare Krankheit des Autors geht, könnte ein Ansatz darin bestehen, an die Emotionen des Lesers zu appellieren. Der Gewinner in der Kategorie „Storytelling“ vermeidet dies. Ohne Selbstmitleid beleuchtet seine Erzählung die Welt der tödlichen Krankheit ALS und all derer, die davon betroffen sind – die Patienten, Familien und ihre Betreuer – und vertieft unser Verständnis dieser komplexen und geheimnisvollen Krankheit.».

Alle drei Gewinner erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 20 000 US-Dollar. Die Gewinner setzten sich gegen 33 weitere Nominierte durch, die in Bern anwesend waren. Insgesamt wurden 959 Beiträge aus 103 Ländern in 22 Sprachen eingereicht. Alle Nominierten werden ihre Arbeiten am Samstag und Sonntag im Rahmen des True Story Festivals an 44 Veranstaltungen im Herzen von Bern der Öffentlichkeit vorstellen.

Der True Story Award ist der erste global ausgerichtete Journalistenpreis, der Vorbild und Motivator für Journalisten auf der ganzen Welt sein soll. Zudem sollen die Stimmen der Reporterinnen und Reporter über die Grenzen ihrer Heimatländer hinaus bekannt gemacht und damit die Vielfalt der Perspektiven in den Medien erhöht werden. 

Der True Story Award wird von einer unabhängigen Stiftung verliehen und würdigt die Arbeit von Reportern, die sich durch die Tiefe ihrer Recherchen, die Qualität ihres Journalismus und dessen gesellschaftliche Relevanz ausgezeichnet haben.

Die vollständige Liste der Gewinner und Finalisten finden Sie nachfolgend.

True Story Award – Impact

Sameh al-Laboudi
The Kalamata Trap: Hundreds Of Migrant Drown on Their way to Europe
Originalsprache: Englisch
Land: Ägypten
Erstveröffentlichung: Al-Manassa, Egypt, 2024-12-12

Finalisten:
Jenna Le Bras: Tracing the origins of a new sign language
Ana Cristina Pereira: When a domestic abuser is a police oficer
Ana Carbajosa, Patricia R. Blanco and Beatriz Lecumberri: Where do the clothes go, after we put them in a recycling bin? 


True Story Award – Research

Hoda Osman and Emma Graham-Harrison in Zusammenarbeit mit Frederik Obermaier, Maria Christoph, Maria Retter, Daniel Laufer

The Gaza Family torn apart by IDF Snipers from Chicago and Munich
Originalsprache: Arabisch
Land: Jordanien
Erstveröffentlichung: Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ), Jordan, 2025-09-09

Finalisten:
Natalia Viana, María Teresa Ronderos, Jose Luis Peñarredonda et al.: Big Tech’s Invisible Hand
Ann-Dorit Boy, Max Heber, Christo Buschek, Dajana Kollig, Fedir Petrov, Frederik Obermaier and Bastian Obermayer: The Victoriia Project
Nyrola Elimä and Ben Mauk: The Long Road from Xinjiang

 

True Story Award – Storytelling

Martín Caparrós
ALS, The Sentence
Originalsprach: Spanisch
Land: Spanien
Erstveröffentlichung: El País, Spain, 2025-02-09

Finalisten:
Tony Bartelme: 41 seconds
Nesrine Malik: I couldn’t cry over my children like everyone else
Łukasz Pilip: Izabela Dłużyk: The Bird Lady